Conacter Insel
Auf der Conacter Insel steht nur ein Haus, ein Brunnen und ein winziger Steg. Dort lebt allein der Besitzer eines Hightech-Zugs, ein gut gelaunter Sonderling, der Tickets verkauft: entweder für unfassbar viel Geld oder für einen Gefallen.
Der Zug fährt in ein verborgenes Land, manche sagen sogar ins Astralreich. Doch die wahre Legende flüstert von einem geheimen Nebengleis, an dem der Zug nie hält. Dort soll ein zweiter Zug warten, der Zeit krümmen kann und in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft fährt. Und als unmöglichste Haltestelle: die Andromedagalaxie.
Conos Acter – der Conacter
Als die Insel noch namenlos war und das Meer sie wie ein Geheimnis umspülte, kam Conos Acter an. Niemand sah sein Schiff. Manche behaupten, er sei einfach da gewesen, sitzend auf dem Rand eines steinernen Brunnens, als hätte die Welt ihn kurz vergessen und dann wieder eingesetzt.
Conos war ein Widerspruch in sich. Menschliches Antlitz mit elfischer Ruhe, dazu der schwere Huf eines Tauren, der den Boden kannte wie kein anderer, eine untote Hand, die dennoch wärmte, wenn sie half. Zwergische Schmiedekunst lag in seinen Adern, geistliche Kraft in seinem Atem, und unter seiner Rüstung summte leise etwas Mechanisches. Er war nicht eine Rasse. Er war das unmögliche Ergebnis aller.
Die Besucher nannten ihn den Conacter, denn Conos verband Dinge, die nie verbunden sein sollten.
Ärastace Asterion I
Ich erwartete eine Insel. Ich fand eine Fußnote in der Welt. Conacter ist kaum mehr als ein Haus, ein Brunnen und ein Steg, der so kurz ist, dass er sich beinahe schämt, „Hafen“ genannt zu werden. Der Inselbewohner empfing mich, als hätte er mich erfunden: allein, freundlich, mit Augen, die lachen, bevor der Mund es tut. Er trug keine Uniform, keine Abzeichen, und doch hing um ihn eine Art Selbstverständlichkeit, als wäre Einsamkeit bei ihm ein Amt.
Über den Preis eines Tickets sprach er wie über das Wetter: „Unschätzbar viel Geld“, sagte er, und lächelte, als sei Geld nur ein besonders langsam denkender Witz. Dann fügte er hinzu: „Oder ein Gefallen.“ Bei diesem Wort wurde selbst mein Gefolge still.
Die Reise im Zug war keine Fahrt, sondern eine Korrektur. Geräuschlos glitt die Kabine über Gleise, die nicht nach Metall klangen, sondern nach Entscheidung. Draußen bog sich die Landschaft weg, als würde sie höflich Platz machen. Einmal sah ich, aus dem Augenwinkel, etwas wie eine zweite Spur, eine Abzweigung, so sauber verborgen, dass sie nur existierte, wenn man nicht direkt hinsah.
Als wir ankamen, wusste ich: Manche Reiche erobert man nicht. Man wird eingeladen.
Lexitus der Weise
Der Brunnen auf Conacter spricht nicht in Worten, sondern in Pausen. Wer geduldig ist, trinkt mehr als Wasser.
Der Besitzer des Zuges ist eine seltene Art Mensch: eine Frohnatur ohne Lärm. Seine Heiterkeit ist kein Feuerwerk, eher eine Laterne, die auch im Sturm nicht ausgeht. Ich fragte nach dem Ticket. Er antwortete, als unterrichte er einen Schüler, der noch an Zahlen glaubt: “Geld misst nur. Gefallen bewegen.”
Im Zug lernte ich: Bewegung ist nicht Geschwindigkeit. Die Fenster zeigten Landschaften, die sich verhielten wie Gedanken beim Einschlafen, klar, dann plötzlich anders, dann wieder klar. Ich spürte eine Stelle auf der Strecke, an der die Zeit kurz den Atem anhielt. Kein Ruck, kein Halt. Nur ein Moment, in dem mein Herz einen Schlag zu früh wusste, was gleich passieren würde.
Es gibt, so vermute ich, ein verstecktes Gleis. Nicht als Technik, sondern als Prüfung. Wer es finden will, wird es verlieren. Wer es übersieht, hat vielleicht die richtige Art von Blick.
Andromeda als Haltestelle? Möglich. Die Welt ist voller Türen. Die meisten sind nur zu höflich, um sich zu zeigen.
Flora New Asteria
Wenn du jemals einen Ort gesehen hast, der aussieht, als wäre er aus einem Kinderbuch herausgeschnitten und in die Realität geklebt worden: Conacter. Da ist dieses eine Haus, das wirkt, als würde es jeden Abend „Gute Nacht“ zur Insel sagen. Der Brunnen gluckst wie ein Geheimnis. Und der Steg? Ein Mini-Steg, mehr Pose als Konstruktion. Perfekt, um dramatisch aufs Wasser zu starren und so zu tun, als hätte man seine Bestimmung verloren.
Der Besitzer ist… unmöglich sympathisch. Kein Team, keine Nachbarn, kein Alltagstrott. Er lacht leicht, als wäre Freude bei ihm ein Muskel, den er täglich trainiert. Ich habe versucht, ihn auszuhorchen. Ticket? „Unschätzbar viel Geld“, meinte er. Ich habe gelacht. Er auch. Dann: „Oder ein Gefallen.“ Und plötzlich klang mein Lachen sehr weit weg.
Der Zug von innen: glatt, hell, fast zu sauber, als würde er keine normalen Orte besuchen. Die Fahrt war wie ein Schnitt im Film, nur ohne Schnitt. Alles floss. Einmal, schwöre ich, sah ich draußen ein weiteres Gleis, ganz kurz, wie ein Schatten von einer Entscheidung, die man hätte treffen können. Der Zug hielt nicht an. Nicht einmal ein Zögern. Als wäre das Anhalten dort verboten, oder gefährlich, oder beides.
Als wir zurück waren, stand der Besitzer wieder am Steg und wirkte völlig unbeeindruckt davon, dass seine Bahn angeblich ins Astralreich fährt und irgendwo ein zweiter Zug auf Zeitreise wartet.
Vielleicht ist das sein Trick: Er macht das Unmögliche so gemütlich, dass du vergisst, Angst zu haben.
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